Einfluss der Menstruation auf den pH-Wert der Scheide

Dein Körper leistet in jedem Monatszyklus eine Menge. Hormone steigen und fallen, die Gebärmutterschleimhaut baut sich auf und wieder ab, die Vaginalschleimhaut reagiert mit. All das beeinflusst auch den pH-Wert der Scheide und damit deine Scheidenflora und Vaginalflora.

Vielleicht kennst du das: Kurz vor oder während der Periode fühlst du dich im Intimbereich empfindlich, hast mehr Ausfluss oder bist anfälliger für Scheidenpilz oder bakterielle Infektionen. Das ist kein Zufall, sondern hängt mit zyklusbedingten Schwankungen des pH-Wertes in der Vagina zusammen.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was im Menstruationszyklus passiert, wie Hormone und Menstruation den pH-Wert der Scheide verändern und was du tun kannst, um dein Scheidenmilieu möglichst stabil zu halten.

Der pH-Wert der Scheide im Menstruationszyklus

In der fruchtbaren Lebensphase liegt der normale pH-Wert der Scheide in der Regel zwischen etwa 3,8 und 4,5. Man spricht hier von einem leicht sauren Milieu in der Vagina. Dieses saure Milieu ist kein „Fehler“, sondern ein Schutzmechanismus: Es hilft, dass sich Krankheitserreger und andere Keime nicht so leicht vermehren können. Milchsäurebakterien, also Laktobazillen, produzieren Milchsäure und halten so den vaginalen pH-Wert im gesunden Bereich aufrecht.

Der Menstruationszyklus bringt aber Bewegung in dieses System. Hormone, Menstruationsblut, Tampons und Binden – all das kann den pH-Wert der Vagina vorübergehend verändern. Man spricht dann von Schwankung des vaginalen pH-Wertes im Zyklus.

Vor der Menstruation: pH-Wert und Scheidenflora

In der Zyklusmitte, rund um den Eisprung, ist der Östrogenspiegel am höchsten. Östrogen sorgt dafür, dass in den Zellen der Vaginalschleimhaut Glykogen eingelagert wird. Dieses Glykogen ist Futter für Milchsäurebakterien in der Vagina, die daraus Milchsäure bilden. Das unterstützt eine gesunden Scheidenflora und einen sauren pH-Wert der Scheide. (Quellen: https://doi.org/10.3389/fmed.2018.00181; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0153553)

Kurz vor der Periode, wenn Progesteron dominiert und der Östrogenspiegel absinkt, verändert sich die Zusammensetzung der Vaginalflora leicht. Manche Frauen merken das an:

  • etwas mehr oder verändertem Ausfluss
  • ein leicht anderes Geruchsempfinden
  • ein Gefühl von „empfindlicher“ Scheide

Wenn du in dieser Phase zusätzlich Antibiotikum einnimmst, sehr aggressive Intimpflege oder parfümierte Seifen verwendest, kann die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten. Dann ist die Scheide anfälliger für Infektionen wie bakterielle Vaginose oder Scheidenpilz.

Während der Menstruation: Veränderungen des pH-Wertes

Menstruationsblut ist nicht sauer, sondern eher neutral bis leicht basisch.
Die Blutung erhöht zudem den pH-Wert in der Scheide. Blut hat einen pH-Wert von ungefähr 7,35 bis 7,45, während der pH-Wert der Scheide normalerweise zwischen 3,8 und 4,5 liegt. Das austretende Blut erzeugt also ein leicht basisches Milieu in der Scheide, das das Wachstum von manchen Erregern begünstigt.

Wenn Menstruationsblut dann noch länger in der Vagina bleibt, etwa durch Tampons oder Menstruationstassen, kann der pH-Wert in der Scheide weiter ansteigen. Die Anzahl der Milchsäurebakterien geht in dieser Phase häufig etwas zurück, das Scheidenmilieu ist weniger sauer und die Vaginalflora insgesamt etwas empfindlicher.

Studien zeigen, dass der durchschnittlichen pH-Wert in der Scheide an den ersten Menstruationstagen deutlich höher ist als in der Mitte des Zyklus. (Quelle: https://doi.org/10.7326/0003-4819-96-6-921)

Dazu kommt:

  • Tampons und Binden halten Menstruationsblut im Intimbereich
  • länger getragene Tampons können das Scheidenmilieu beeinflussen
  • Keime mögen das feuchtere, etwas weniger saure Umfeld

All das macht deutlich, warum manche Frauen während der Periode schneller mit Juckreiz oder Brennen im Intimbereich oder mit Infektionen zu kämpfen haben.

Nach der Menstruation: Rückkehr zur Normalität

Wenn die Blutung abklingt und kein Menstruationsblut mehr in die Scheide gelangt, kann sich das Scheidenmilieu wieder erholen. Milchsäurebakterien in der Vagina haben dann bessere Bedingungen, um sich zu vermehren, Milchsäure zu bilden und den vaginalen pH-Wert wieder zu senken.

Untersuchungen zeigen, dass der vaginale pH-Wert nach der Periode meist innerhalb weniger Tage wieder in den normalen, sauren Bereich sinkt und die Vaginalflora zu ihrem typischen Bild zurückkehrt.

Wenn die Scheidenflora stabil ist, merkst du von diesen Schwankungen im Menstruationszyklus oft kaum etwas. Ist die Scheidenflora aber schon vorher gestört, kann die Periode Beschwerden verstärken.

Hormone und ihre Wirkung auf den pH-Wert

Östrogen und seine Rolle

Östrogen ist eine der wichtigsten Größen für den vaginalen pH-Wert. Es sorgt dafür, dass die Zellen der Vaginalschleimhaut Glykogen produzieren. Dieses Glykogen wird von Laktobazillen als Nährstoff genutzt. Sie vermehren sich, produzieren Milchsäure und halten so das saure Milieu der Vagina aufrecht.

Sinkt der Östrogenspiegel deutlich, zum Beispiel in den Wechseljahren oder in der späten Lutealphase, kann die Zahl der Milchsäurebakterien zurückgehen. Der vaginalen pH-Wert steigt, die Scheide wird anfälliger für bakterielle Keime.

Progesteron und pH-Änderungen

Progesteron dominiert die zweite Zyklushälfte. Indirekt beeinflusst es die Vaginalschleimhaut und die Zusammensetzung der Scheidenflora. In Kombination mit dem fallenden Östrogenspiegel kommt es zu leichten Veränderungen im Scheidenmilieu. Manche Frauen merken das als „Vorboten“ der Periode: mehr Ausfluss, leichtes Jucken oder ein anderes Gefühl im Intimbereich.

Einfluss von Hormonen auf die vaginale Flora

Hormone steuern also nicht nur den Menstruationszyklus, sondern auch:

  • wie viel Glykogen in der Schleimhaut zur Verfügung steht
  • wie aktiv Milchsäurebakterien sind
  • wie sauer oder basisch der pH-Wert in der Scheide ist

Wenn dieses Zusammenspiel nicht gut funktioniert, kann die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten. Dann sinkt die Zahl der Laktobazillen, andere Bakterien vermehren sich und der pH-Wert der Scheide kann zu hoch werden. Man spricht dann von einer gestörten Scheidenflora oder von Dysbiose, was zum Beispiel eine bakterielle Vaginose begünstigen kann

Einfluss von Hormonen auf die vaginale Flora

Die hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus haben einen erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung und Funktion der Vaginalflora. Östrogen fördert das Wachstum der Milchsäurebakterien, die für die Aufrechterhaltung des sauren pH-Wertes in der Scheide unerlässlich sind. Ein niedriger Östrogenspiegel, wie er vor der Menstruation oder in den Wechseljahren auftritt, kann zu einer reduzierten Anzahl an Milchsäurebakterien und einem höheren pH-Wert führen. Dies begünstigt das Wachstum unerwünschter Keime und erhöht das Risiko für bakterielle Vaginose oder andere vaginale Infektionen. Eine gestörte Scheidenflora kann sich durch Symptome wie Ausfluss, Juckreiz oder Brennen im Intimbereich äußern. Daher ist eine gute Intimpflege und die Unterstützung einer gesunden Scheidenflora wichtig, um das natürliche Gleichgewicht zu bewahren und Infektionen vorzubeugen.

Menstruationsbedingte Beschwerden und pH-Wert

Scheidenpilz und andere Infektionen

Während und kurz nach der Periode fühlen sich manche Frauen besonders anfällig für Scheidenpilz oder bakterielle Infektionen im Intimbereich. Das hat mehrere Gründe:

  • Menstruationsblut erhöht vorübergehend den pH-Wert der Vagina
  • die Anzahl der Milchsäurebakterien kann in dieser Phase etwas sinken
  • Keime finden in Menstruationsblut und auf Tampons oder Binden gute Bedingungen

Ist die Scheidenflora bereits empfindlich oder liegt eine gestörten Scheidenflora vor, können sich Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose leichter entwickeln.

Symptome einer pH-Ungleichheit

Typische Zeichen dafür, dass der pH-Wert der Scheide aus dem Lot geraten ist:

Solche Beschwerden können rund um die Periode verstärkt auftreten, verschwinden aber nicht automatisch wieder, wenn das Scheidenmilieu sich nicht gut erholt. Dann ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen und bei Bedarf ärztlich abklären zu lassen, ob eine Infektion vorliegt.

Prävention und Behandlung von Beschwerden

Du kannst einiges tun, um deinen Intimbereich rund um die Menstruation zu unterstützen und den vaginalen pH-Wert so stabil wie möglich zu halten:

Sanfte Intimhygiene

  • im Intimbereich nur mit lauwarmem Wasser oder milder Intimpflege mit angepasstem pH-Wert waschen
  • auf scharfe Seifen und Duschgele im Intimbereich verzichten
  • nicht im Inneren der Scheide spülen

Tampons, Binden und Periodenprodukte bewusst nutzen

  • Tampons und Binden regelmäßig wechseln, damit Menstruationsblut nicht zu lange in der Scheide oder am Vulvabereich bleibt
  • auf Produkte ohne aggressive Duftstoffe achten
  • wenn du merkst, dass du mit bestimmten Tampons oder Cups mehr Jucken oder Brennen im Intimbereich hast, auf andere Produkte wechseln

Scheidenflora stärken

  • eine gute Intimpflege unterstützt die gesunden Scheidenflora
  • je nach Situation können auch Probiotika mit Laktobazillen helfen, den vaginalen pH-Wert zu stabilisieren und das saure Milieu zu unterstützen
  • bei wiederkehrenden Problemen ärztlich abklären, ob eine bakterielle oder Pilzinfektion vorliegt und gezielt behandelt werden sollte

Wenn der pH-Wert der Scheide zu hoch bleibt, ist es wichtig, nicht nur Symptome zu lindern, sondern die Ursache zu finden. Dazu gehören neben den Menstruationszyklen auch andere Faktoren wie Hygiene, Antibiotika, Geschlechtsverkehr, Sperma im Intimbereich oder hormonelle Veränderungen.

Kurz zusammengefasst

  • Der vaginale pH-Wert liegt normalerweise im sauren Bereich und schützt die Vagina vor Krankheitserregern.
  • Während der Menstruation kann der pH-Wert der Scheide durch Menstruationsblut vorübergehend ansteigen.
  • Hormone wie Östrogen und Progesteron, Glykogen in der Schleimhaut und Milchsäurebakterien bestimmen gemeinsam, wie stabil deine Vaginalflora ist.
  • Wenn die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, bist du anfälliger für Infektionen wie Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose, vor allem rund um die Periode.
  • Mit sanfter Intimpflege, passenden Periodenprodukten und dem Blick auf deine Scheidenflora kannst du viel dazu beitragen, dass sich dein Intimbereich nach der Regelblutung schnell wieder stabil anfühlt.

Quellen:
Amabebe, E., & Anumba, D. O. C. (2018). The Vaginal Microenvironment: The Physiologic Role of Lactobacilli. Frontiers in medicine, 5, 181. https://doi.org/10.3389/fmed.2018.00181

Mirmonsef P, Hotton AL, Gilbert D, Gioia CJ, Maric D, et al. (2016) Glycogen Levels in Undiluted Genital Fluid and Their Relationship to Vaginal pH, Estrogen, and Progesterone. PLOS ONE 11(4): e0153553. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0153553

Wagner, G., & Ottesen, B. (1982). Vaginal physiology during menstruation. Annals of internal medicine, 96(6 Pt 2), 921–923. https://doi.org/10.7326/0003-4819-96-6-921

Eschenbach DA et al. Influence of the normal menstrual cycle on vaginal tissue, discharge, and microflora. Clin Infect Dis. 2000;30(6):901–907. https://doi.org/10.1086/313818

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