Schmerzen beim Sex

Ob mit 15 oder 55 – zahlreiche Frauen in jeder Altersgruppe leiden unter Schmerzen beim Sex. Die Ursachen sind vielfältig, ebenso wie die Behandlungsmöglichkeiten. Bewährt hat sich eine Kombination aus Medikamenten, Sexualtherapie, Physio- und Gesprächstherapie – vorausgesetzt, das Scheidenmilieu ist ausgeglichen. 

Hier unterstützen regelmäßige Kuren mit Milchsäurebakterien

Die Dunkelziffer ist hoch

Im Rahmen verschiedener Studien gaben bis zu 20% aller Frauen wiederkehrende Beschwerden beim Sex an.*

Wiederkehrende Schmerzen machen Sex statt zum genussvollen und näherbringenden Akt für beide Partner zur schmerzhaften Qual für die betroffene Frau. Die Partnerschaft wird belastet.
Vier Frauen posieren vor einem weißen Hintergrund mit einer Leiter.

Im weiteren Verlauf treten oft folgende Störfaktoren auf:

Es ist wichtig offen mit dem Thema umzugehen und es anzusprechen:

Oft bestehen die Schmerzen schon seit dem ersten Mal und machen die Sexualität von Anfang an unmöglich oder sehr schmerzhaft. Hier kann auch die hohe Anspannung der Muskulatur des Beckenbodens eine zentrale Rolle spielen. In einer späteren Lebensphase der Frau kann es durch die Wechseljahre, wenn das Östrogen nachlässt, zu zunehmenden Beschwerden wie auch Scheidentrockenheit kommen.

Mögliche Ursachen: Warum Schmerzen beim Sex kommen

Es gibt zahlreiche Ursachen – manchmal ist es eine klar organische Ursache, manchmal spielen psychische Ursachen oder beides zusammen. Sex können verschiedene Faktoren schmerzhaft machen. Typische Ursachen bei Frauen sind:

Häufige organische Ursachen bei Frauen

  • Infektion oder Entzündung: z. B. Scheideninfektionen, Harnwegsinfektionen, Reizungen im Genitalbereich oder Beschwerden der Blase. Wenn zusätzlich Schmerzen beim Wasserlassen auftreten, sollte das zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
  • Scheidentrockenheit / zu wenig Befeuchtung der Scheide: häufig bei Stress, nach der Geburt, in den Wechseljahren oder bei zu wenig sexuelle Erregung. Wenn die Erregung nicht ausreicht, kann bereits das Eindringen schmerzen verursachen.
  • Endometriose: Dabei wächst Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter (u. a. an Eierstöcken). Das kann tiefe Schmerzen beim penetrativen Sex und auch beim Stuhlgang begünstigen.
  • Gynäkologische Erkrankungen: z. B. Zysten, Myome, Narben, Schleimhautveränderungen oder andere gynäkologisch relevante Befunde im Bereich von Gebärmutter, Eierstöcken oder Scheide.
  • Geschlechtskrankheit: Manche sexuell übertragbaren Infektionen können beim Sex Beschwerden wie Schmerzen, Brennen oder Ausfluss auslösen – daher ist „sexuell“ übertragbar immer mitzudenken.

Ursachen, die mit Verkrampfung zusammenhängen

Vaginismus: unwillkürliche Verkrampfung der Beckenboden- und Vaginalmuskulatur. Häufig treten Schmerzen schon beim Eindringen des Penis auf; der Penis kann nicht oder nur unter Schmerzen eingeführt werden.

Psychische Ursachen und Stressfaktoren

Psychische Ursachen können die Schmerzempfindung verstärken – etwa Angst vor Schmerz, Leistungsdruck, negative Erfahrungen oder Konflikte. Das heißt nicht, dass „es nur im Kopf ist“: Stress kann zu Anspannung, weniger Lubrikation und mehr Schmerz führen – ein Kreislauf.

Kurz: Ursachen bei Männern

Auch Ursachen bei Männern sind möglich (z. B. Entzündungen, Hautreizungen, Probleme der Vorhaut, Schmerzen beim Samenerguss). Wenn beim Partner der Penis schmerzt oder Reizungen bestehen, sollte ebenfalls beim Arzt abgeklärt werden.

Ausführliche Diagnose bei Schmerzen beim Sex

Aufgrund der vielfältigen möglichen Ursachen für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, ist neben der frauenärtzlichen Untersuchung ein offenes und ausführliches Gespräch mit einer Gynäkologin bzw. einem Gynäkologen, die/der auch in punkto ‚Sexualmedizin‘ ausgebildet ist, hilfreich.

Was häufig dazugehört:

  • Anamnese: Wann treten die Schmerzen auf (beim Eindringen, tief, danach)? Gibt es Brennen, Trockenheit, Blutungen, Ausfluss?
  • Gynäkologische Untersuchung (bei Bedarf sehr behutsam, Schritt für Schritt)
  • Abklärung auf Infektion/Entzündung und ggf. sexuell übertragbare Erreger
  • Einordnung, ob eher organisch oder auch funktionell/psychisch beteiligt ist

Wenn du zusätzlich Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber, Blutungen nach dem Sex oder sehr starke Schmerzen hast, ist eine rasche Abklärung beim Frauenarzt / beim Frauenarzt sinnvoll.

Person gießt Flüssigkeit aus Messbecher in Glas.

Vielfältige Therapiemöglichkeiten

Eine Kur mit Milchsäurebakterien (Laktobazillen), Medikamente, Operationen oder Physiotherapie?
Je nach diagnostizierter Ursache gibt es vielfältige Therapiemöglichkeiten.

Was du selbst sofort tun kannst (ohne dich zu überfordern)

  • Tempo rausnehmen: Mehr Zeit für Nähe und Erregung – wenn die Lubrikation passt, wird Eindringen oft leichter.
  • Gleitgel (bei Trockenheit) kann unterstützen – gerade, wenn Scheidentrockenheit ein Thema ist.
  • Schmerz-Stopp-Regel: Wenn es weh tut, Pause. Schmerz zu „übergehen“ verstärkt oft die Anspannung.
  • Offene Kommunikation: „So ist es angenehm / so nicht“ – das hilft beiden und kann die Lust auf Sex wieder aufbauen.

Langandauernde Beschwerden sind für die betroffenen Frauen und deren PartnerInnen immer eine Belastung.

Langandauernde Beschwerden sind für die betroffenen Frauen und deren PartnerInnen immer eine Belastung. 

HIER findest du das Video mit der Expertin Dr. Andrea Kottmel.

Die richtige Intimpflege vor und nach dem Sex

Expertinnen und Experten raten den äußeren Intimbereich mit lauwarmem Wasser, ohne parfümierte Seifen oder übertriebene Intimpflege wie Vaginalduschen zu reinigen. HIER findest du das Video von Fr. Dr. Lüftl.

Empfehlenswert ist ein pflegender, Milchsäure-haltiger Waschschaum aus der Apotheke, mit beruhigenden Inhaltsstoffen wie Aloe und Hamamelis. 

*1Kerstin S. Fugl-Meyer, PhD,* Nina Bohm-Starke, MD, PhD,†Christina Damsted Petersen, MD, PhD,‡Axel Fugl-Meyer, MD, PhD,§Sharon Parish, MD,¶and Annamaria Giraldi, MD, PhD**: Standard Operating Procedures for Female Genital Sexual Pain. J Sex Med 2013;10:83–93.